Tanze durch den Tag

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In der Familie können Rhythmus und Bewegung zum Erzählen von Geschichten genutzt werden.

Tanzen ist – so wie das Spielen – ein Grundbedürfnis von uns Menschen, das angeboren ist. Bereits Neugeborene reagieren auf Rhythmen. Ab einem Alter von etwa zehn Monaten beginnen Kleinkinder, sich zum Beat von Musik zu bewegen. Diese natürliche Form des Tanzes startet, noch bevor sie singen oder sprechen lernen. Kognitionsforscher Tecumseh Fitch von der Universität Wien meint, dass Tanz und Rhythmus genauso ein Teil der Menschen seien, wie die Sprache und der aufrechte Gang.

Tanzen fördert dabei das psychische und körperliche Wohlbefinden. Sogenannte Endorphine, jene Hormone, die für die Euphorie zuständig sind, werden durch die Bewegung freigesetzt. Gleichzeitig wird die Produktion von Serotonin, dem Glückshormon, ordentlich angekurbelt. Das sorgt für ein Gefühl von Zufriedenheit und innerer Balance. Die positive Wirkung von Tanz auf die psychische Gesundheit ist in zahlreichen, medizinischen Studien nachgewiesen worden. Nicht nur Kinder – wir alle sollten daher öfter das Tanzbein schwingen.

Vor allem die Jüngeren müssen gar nicht erst dazu motiviert werden. Lautsprecher an und das Tanzen geht los! Und gut so, denn die freudige Bewegung zur Musik fördert die körperliche Entwicklung. Durch das Springen, Drehen, Schaukeln, Wippen und Schwingen werden Kreativität und Musikalität angeregt. Mit jedem Mal wächst das Gefühl für den eigenen Körper, was wiederum das Selbstbewusstsein stärkt. Hinzu kommen Forschungs­ergebnisse, die belegen, dass frühkindliche Bewegung die kognitiven Fähigkeiten verbessert: Tanzen macht also buchstäblich schlau.

Gemeinsames Tanzen verbindet

In allen Kulturen finden sich rituelle Tänze, die dem Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe dienen und das Zugehörigkeitsgefühl stärken. Dabei spielt es keine Rolle, ob bei religiösen Festen, zu familiären Feiern oder allein als Ausdruck seines Inneren getanzt wird. Durch die Synchronisierung der Körper im Rhythmus einer Musik entsteht ein Nähegefühl zu den Mittanzenden. Es ist eine Form der Kommunikation und des Austauschs, die ohne Sprache auskommt.

Das Tanzen mit den eigenen Kindern stärkt die Familienbande, sorgt für Glückshormone bei allen Beteiligten und stillt den Bewegungsdrang der Kleinen. Im Vordergrund sollte dabei immer der Spaß stehen. Perfektion ist beim Tanzen in der Familie fehl am Platz. Alles, was Freude bereitet, ist erlaubt – auch einmal mit Grimassen durch das Wohnzimmer hüpfen und mit plötzlichen Bewegungen die Möbel erschrecken. Das Ziel ist eine ausgelassene und ungehemmte Stimmung.

Obwohl viele bei Tanzen an Mädchen denken, tut die rhythmische Bewegung allen Geschlechtern gleichermaßen gut. Wenn Papa mittanzt und zeigt, dass Tanzen nichts mit einem rosa Tutu zutun hat, sind auch die Söhne voll Elan am Start und unsere Körper dürfen auf Abenteuerreise gehen: Mal wirbeln wir durch die Luft wie die Blätter im Herbst, dann gleiten wir über den Boden wie eine Schlange. Die mutigsten der Abenteurertruppe begeben sich im Dschungel auf Löwenjagd oder liefern sich ein Duell mit Piraten. Mit Musik in den Ohren und einer kleinen Portion Fantasie kann alles zum Ausdruck gebracht werden.

Und auch der Alltag bereitet getanzt mehr Freude: Wer beim Einräumen der Spielkiste mit jedem Gegenstand eine Runde durch den Raum tanzt, braucht zwar vielleicht länger, wird sich aber das nächste Mal aufs Aufräumen freuen. Der Geschirrspüler räumt sich leichter ein, wenn das Besteck zuerst noch einmal den Takt angibt, und beim Zähneputzen wird jeder Zahn zur Bühne der Zahnbürsten-Prima-Ballerina.

 

Fünf Spielideen: Geschichten mit Tanz erzählen

Der erste Tanzschritt ist immer der schwierigste. Während Kleinkinder ihrem inneren Bedürfnis leichtfüßig nachgeben, verspüren ältere manchmal ein kleines bisschen Lampenfieber. Der Wunsch, alles ‚richtig‘ zu machen oder gut dabei auszusehen, führt zu Ängsten: Wie fange ich nur an? Sehe ich auch nicht aus wie ein Fisch auf dem Trockenen? Bewege ich die Hände zu viel und die Füße zu wenig? Sobald solche Fragen auftreten, erschwert die eigene Erwartung an sich selbst den Genuss an der Bewegung.

Eine Möglichkeit, diese Hemmungen aus dem Weg zu räumen, ist eine geführte Tanz-und-Spiel-Einheit. Hier gibt es ein paar Ideen für Eltern:

  1. Vielleicht möchten die Kinder ihren Schulalltag tänzerisch erzählen? Vom Aufwachen, übers Anziehen und Zähneputzen, den Schulweg entlang, mit dem Sessel wippen, während der Lehrer an der Tafel schreibt. All das kann pantomimisch zur Musik gezeigt werden. Kleine Anleitungen helfen dabei, in einen Flow – das Gefühl im Tanz vollkommen aufzugehen und nicht mehr darüber nachdenken zu müssen – fördern:
    • Zeig uns das Mittagessen in Zeitlupe und mach die Bewegungen so groß wie möglich!
    • Musstest du nicht in die Schule laufen, weil du zu spät dran warst? Tanz deinen Schulweg durch den Raum und pass auf, dass du pünktlich ankommst!
    • Was hast du am Nachhause-Weg alles gesehen? Nicht verraten, tanz es mir!
  2. Wenn die Lieblings-Gute-Nacht-Geschichte schon zum fünften Mal vorgelesen wurde, dient sie bestimmt auch gerne als Tanzgeschichte. Musik ohne (deutschen) Gesang im Hintergrund aufdrehen und vorlesen! Die Kinder dürfen dazu tanzen.
  3. Tänzerisch gemeinsame Erinnerungen wiederbeleben, ist eine weitere Option. Was war der schönste Tag im letzten Urlaub? Tanze, wie du durchs Meer schwimmst, Berge erklimmst, die Bauernhoftiere streichelst, ...
  4. Die Eigenheiten von Tieren sind immer eine Inspiration. Wohin hoppelt der Hase und woran wird geknabbert? Wie schleicht sich die Katze an, wenn sie auf der Jagd nach der Maus ist? Kann der Hund das Stöckchen aus der Luft fangen? Tanze groß wie ein Elefant, wie ein Krokodil am Boden, springe wie ein Dressurpferd und fliege wie eine Schwalbe übers Meer.
  5. Nicht nur Tiere können getanzt werden, die ganze Wohnung bietet Tanzmöglichkeiten: Die Waschmaschine kennt Schongang, Schleudern, Spülen. Beim Tanzen verwandeln sich die Kinder in die Wäsche und probieren die verschiedenen Waschgänge durch. Die Mikrowelle lässt sie im Kreis drehen und die Kaffeemaschine mahlt sie wie die Bohnen zu feinem Pulver. Mit der Klospülung werden die Tänzer:innen ins Kanalsystem gewirbelt und beim Kochen brodeln sie wie Karottenstückchen im Topf.

Am Ende gilt: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Jedes Zimmer ist Tanzsaal, jedes Erlebnis wird zum Ausdruck gebracht. Und zusammen macht es am meisten Spaß.

 

 

Autorin: Viola Rosa Semper studierte Meteorologie an der Universität Wien. Nach dem Studium wandte sie sich vollständig der Literatur und der deutschen Sprache zu. Seit 2017 arbeitet sie als freie Autorin, Texterin, Lektorin und Tutorin für Deutsch als Fremdsprache. Sie leitet unter anderem die Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche in St.Pölten. https://viola.semper.at/

 

 

Quelle: https://www.kukudu.at


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Kunst, Kultur & Du – KUKUDU® – ist eine Initiative des MKM Musik & Kunst Schulen Management Niederösterreich, das sich zum Ziel setzt, Kleinkindern von drei bis sechs Jahren vielfältige Zugänge zur aktiven Auseinandersetzung mit Musik & Kunst zu eröffnen.